Wenn man die Sache intuitiv angeht, möchte man als Erstes den Bodengrund ins Aquarium tun und darauf dann mit Steinen und Pflanzen eine Unterwasserlandschaft gestalten.
Wenn Ihr schon soweit gekommen seit, habt Ihr nun das Vergnügen, den Sand oder Kies wieder zu entfernen, vollständig.
Remo "nivus" Hosig hat eine sehr schöne Bauanleitung für künstliche Steine geschrieben. Hier findet ihr sie als pdf-file. bauanleitung.pdf
danke nivus :)
Wenn dann alles so ist, wie man meint dass es sein sollte, wird das Aquarium mit Wasser gefüllt und die Technik in Betrieb genommen.
Jetzt möchte man natürlich gleich zum nächsten Laden fahren und sich Fische kaufen.
Zum Laden fahren kann man ruhig machen. Fische sollte man aber zu diesem Zeitpunkt noch keine kaufen. Fürs erste reicht es wenn ihr euch eine Dose Fischfutter besorgt.
"Warum Fischfutter wenn ich keine Fische habe?" werden sich einige nun fragen.
Die Antwort ist garnicht so einfach und deshalb werde ich etwas weiter ausholen.
Der Aquarienfilter muss erst eingefahren werden, damit er richtig arbeitet. Dazu gibt man jeden Tag eine kleine Prise Fischfutter in das Aquarium. Auf diese Weise füttert man seinen Filter oder genauer die Bakterien im Filter.
Ein Filter filtert, werdet ihr sagen.
Bei Aquarienfiltern ist diese Aussage genauso falsch wie richtig.
Ein Aquarienfilter filtert zwar ein paar Schwebteile aus dem Wasser, aber dafür würde auch eine kleine Pumpe mit einem Stück Filterschaum reichen. In erster Linie ist ein Aquarienfilter aber ein Bioreaktor, in dem giftige Bestandteile aus Ausscheidungen und Abbauprozessen in relativ harmlos Stoffe umgewandelt werden.
Durch den Abbau von Pflanzenmaterial, Futterresten, Fischausscheidungen usw. entsteht Ammonium oder bei ph-Werten von über 7, Ammoniak (blaue Kurve). Auf allen Oberflächen (Kies, Sand, Steine, Scheiben, Pflanzen und sogar der Wasseroberfläche) und natürlich auch im Filtermaterial, bildet sich ein Bakterienfilm. Am Anfang sind dies im Wesentlichen Bakterien, die Ammoniak/Ammonium zu Nitrit (rote Kurve) oxidieren. Nitrit ist ein sehr wirksames Fischgift. In dem Moment, wo Nitrit im Aquarium ausreichend vorhanden ist, vermehren sich aber zum Glück auch Bakterien die das Nitrit weiter zu Nitrat (grüne Kurve) oxidieren. Nitrat ist zum einen lange nicht so gifitg wie Nitrit und kann zum anderen von Pflanzen als Dünger verwertet werden.

Das ist nun wieder ganz einfach. Im Wasser, der Luft und eigentlich überall, sind diese Bakterien vereinzelt vorhanden. Finden sie irgendwo günstige Bedingungen, fangen sie an, sich explosionsartig zu vermehren.
Natürlich kann man das Ganze auch beschleunigen. Durch das sparsame Anfüttern verkürzen wir die Zeit schon auf 2-3 Wochen. Wenn uns ein befreundeter Aquarianer etwas von seinem Filterschlamm gibt, kann diese Zeit sogar auf 1-2 Wochen verkürzt werden.
Ganz ohne Wartezeit kommt man aus wenn man den Filter vorher für 1-2 Wochen als zusätzlichen Filter an einem gut laufenden und besetzten Aquarium betrieben hat.
| Wasserwert | im Malawisee | Grenzwert |
| Ammoniak | 0 mg/l | < 0,02 mg/l |
| Ammoniak/Ammonium | 0 mg/l | < 0,2 mg/l |
| Chlor | 0 mg/l | < 0,1 mg/l |
| Eisen | 0,03 - 0,1 mg/l | < 0,2 mg/l |
| GH | 3 - 6 °dGH | 3 - 30 °dGH |
| KH | 5 - 8 °dKH | 5 - 20 °dKH |
| Kohlendioxid | 0,5 - 2,5 mg/l | < 50 mg/l |
| Kupfer | 0 mg/l | < 0,1 mg/l |
| Leitwert | 210 - 286 µS/cm | < 1500 µS/cm |
| Nitrat | < 50 mg/l | < 100 mg/l |
| Nitrit | 0 mg/l | < 0,2 mg/l |
| pH | 8 - 8,5 | 7 - 9,5 |
| Phosphat | 0,02 - 0,5 mg/l | < 5 mg/l |
| Sauerstoff | 5 - 8 mg/l | 3 - 8,5 mg/l |
| Silikat | 0 mg/l | unbedeutend |
| Temperatur | 23-27 °C | 20-29 °C |
Als Nitritpeak wird der Höchstwert des Nitritgehalts im Aquariumwasser bezeichnet. Dieser kann unter ungünstigen Bedingungen in Bereichen liegen, die für Fische tötlich sind. Bei einem gut arbeitenden Filter (Bioreaktor s.o.) treten Nitritpeaks praktisch nicht auf. Die Nitritkonzentrationen befinden sich in solchen Aquarien immer an der Nachweisgrenze (zumindest was normale Tests angeht)
Nur mit der Ruhe. Geduld ist eine Tugend und in der Aquaristik schon fast Pflicht
wenn der Nitritpeak überstanden ist, kann man aber mit dem Besatz beginnen
Viele Leute lassen erst den Beutel mit den neuen Fischen eine Weile im Aquarium treiben, damit sich die Wassertemperatur angleichen kann. Ich halte das für unnötig. Ich schütte den oder die neuen Fische in einen Eimer und lasse dann etwa nochmal die gleiche Menge an Aquarienwasser dazu laufen. Jetzt warte ich kurz und fange dann den/die Fische aus dem Eimer und setze sie in das Aquarium.
Auf keinen Fall sollte man das Wasser aus den Transportbeuteln ins Aquarium schütten.
Dadurch kann man sich sehr leicht Krankheiten ins Becken holen.
Es gibt natürlich auch nach der Einrichtung noch ein paar Arbeiten am Aquarium
Es gibt ja eine ganze Menge verschiedener Werte, die sich auch ohne grossen Aufwand messen lassen. Wenn man aber alles messen will, geht das doch ordentlich ins Geld und kostet einiges an Zeit.
Hier nun die Werte die wirklich wichtig sind und die man regelmässig kontrollieren sollte:
Temperatur, ph-wert, Nitrit, Nitrat und Ammoniak/Ammonium
Folgende Werte sind nicht unwichtig, aber müssen nur selten (wenn was nicht stimmt) kontrolliert werden:
GH, KH, Kupfer und Phosphat
Es gibt nur eins, das man am Aquarium ständig putzen muss: die Frontscheibe.
Einrichtungsgegenstände werden durch einen Algenüberzug ja erst richtig natürlich und sollten von daher auch nicht gereinigt werden.
Weiter oben wurde ja schon beschrieben, wie ein Aquarienfilter arbeitet. Folglich sollte man die Bakterien auch nicht unnötig stören damit sie ordentlich arbeiten können. Also sollte auch klar sein, dass man einen Filter erst öffnet wenn kaum noch wasser raus kommt. Selbst dann sollte man aber nur den Vorfilter reinigen (also den bereich, der wirklich als mechanischer Filter arbeitet und groben Schmutz ausfiltert). Die anderen Filtermedien sollten man so wenig wie möglich reinigen, da man ja sonst die Bakterien entfernt.
Bei diesen ganzen betrachtungen gehe ich natürlich von grossvolumigen Aussenfiltern oder Filterbecken aus. Die ganzen kleinen Innenfilter bringen in dieser hinsicht eigentlich fast nichts und sind für ein Malawiaquarium auch nur zusätzlich zu grösseren Filtern geeignet. Grosse Einbaufilter sind ja ohnehin eher mit kleinen Filterbecken oder hamburger Mattenfiltern (HMF) zu vergleichen und erzielen auch die selben ergebnisse.