Mbuna-Nonmbuna

Es gibt im Malawisee sehr viele Gattungen und Arten von Buntbarschen (Schätzungen gehen von 1200 bis 4000 Arten aus). Von den Einheimischen wurden die Fische sehr grob unterteilt: Mbuna, Fische die an Felsen leben. Utaka, Fische des offenen Wassers.
Irgendwann wurden diese Begriffe von Aquarianern (und evtl. auch Biologen) übernommen, dabei aber auf reichlich brachiale Weise an die Taxonomie angepasst. Heraus kam eine sehr grobe Gruppierung von Gattungen. Die ursprüngliche Bedeutung ging dabei verloren.
Aquarianer haben recht schnell gemerkt, dass sich laengst nicht alles an Fischen im Becken kombinieren lässt. Zu gross sind die Unterschiede in den Bereichen Lebensraum, Verhalten, Ernährung, ...
Dabei ist wohl einigen aufgefallen, dass es oft in die Hose geht, wenn man Pseudotropheus, Maylandia, Melanochromis zusammen mit Tieren der Gattungen Aulonocara, Copadichromis oder einigen grösseren Räubern hält.
Daraus haben sie dann abgeleitet: Mbuna passt nicht zu Nonmbuna. Und noch viel schlimmer ist der Umkehrschluss: Mbunas kann man beliebig kombinieren, genau wie Nonmbuna.
Das ist natürlich alles totaler Blödsinn.
Es werden dabei viel zuviele Dinge vernachlässigt. Hier mal einige der groben Fehler:
Die Gattung Melanochromis zählt zu den Mbuna und es wird dabei vergessen, dass z.B. Mel. loriae nur selten pflanzliche Nahrung frisst, sondern sich fast ausschlieslich von Jungfischen und Kleinkrebsen ernährt, also ein Carnivore ist. Scianochromis fryeri und Stigmatochromis modestus leben als Nonmbuna fast ausschlieslich im Felsbereich. Auch sie sind Räuber.
Der Nonmbuna Protomelas taeniolatus frisst in der Natur vom sedimentbedeckten Aufwuchs und Lebt im Felsbereich. Auch wenn er eigentlich nach Kleinkrebsen sucht, so frisst er doch grosse Mengen von Kieselalgen.
Der Mbuna Cynotilapia afra ernährt sich hauptsächlich von Insektenlarven und Kleinkrebsen.
Eine ganze Gruppe von Aulonocara-Arten lebt nur in der Felszone.

Diese Liste liesse sich noch eine ganze Weile fortsetzen.

Die Begriffe sind also durch ihre sehr grosse Unschärfe praktisch Sinnleer.
Deshalb sollte man auf ihre Verwendung grundsätzlich verzichten.

Wird dadurch die ganze Sache mit den Besatzfragen komplizierter?
JEIN - Man wird sich ein paar Gattungsnamen und Artnamen merken müssen. Wenn man sich aber dazu durchringt, die Fische nach Verhalten, Ernährung und Lebensraum auszuwählen, so merkt man sehr schnell, was geht und was nicht. Siehe dazu auch den Beitrag Auswahl der Fische

ADS